KI ist fester Bestandteil des Alltags von Jugendlichen

18. November 2025
JIM-Studie 2025: Selbstkontrolle im Umgang mit dem Smartphone fällt vielen Jugendlichen schwer

Ob für die Schule, zur Recherche oder zur Beantwortung alltäglicher Fragen: Immer mehr Jugendliche verlassen sich auf die Hilfe von KI. Zugleich bleibt das Smartphone ihr ständiger Begleiter und zentrales Medium. Doch obwohl die meisten Jugendlichen wissen, dass ihnen Pausen vom Smartphone guttun, fällt die Selbstregulierung im Umgang mit dem Gerät schwer. Das zeigen die Ergebnisse der neuen JIM-Studie 2025 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs).

Wie bereits im Vorjahr findet der häufigste Einsatz von KI im Zusammenhang mit Schulaufgaben statt: 74 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nutzen KI-Anwendungen für Hausaufgaben oder zum Lernen (2024: 65 %). Deutlich gewachsen ist die Nutzung zur Informationssuche – sie stieg gegenüber 2024 um 27 Prozentpunkte auf 70 Prozent. Hinter klassischen Suchmaschinen wird ChatGPT bereits am zweithäufigsten als Recherche- und Informationstool verwendet. Die von KI gelieferten Informationen halten 57 Prozent dabei für vertrauenswürdig. Prof. Dr. Kai Gniffke, Intendant des SWR unterstreicht: „KI-generierte Nachrichten enthalten häufig Fehler oder geben Quellen nicht korrekt wieder. Wir müssen alles daran setzen, dass gerade junge Menschen qualitativ hochwertige Nachrichten und Inhalte erhalten, die den journalistischen Qualitätsmaßstäben entsprechen.“ Auch um sich erklären zu lassen, wie etwas funktioniert, setzt mehr als die Hälfte KI ein. Der Gebrauch „zum Spaß“ ist hingegen leicht rückläufig. Insgesamt zeigt sich: KI ist für viele Jugendliche in kurzer Zeit zu einem zentralen Alltagswerkzeug geworden. Dr. Marc Jan Eumann, Direktor der Medienanstalt Rheinland-Pfalz, betont: „Immer mehr Kinder und Jugendliche sind gefährlichen Inhalten im Netz ausgesetzt. So geben im Rahmen der aktuellen Studie 67 Prozent der Jugendlichen an, im Verlauf des letzten Monats Fake News begegnet zu sein. Dieser Trend verstärkt sich mit KI. Die Plattformen sind in der Pflicht, problematische Inhalte konsequent zu löschen. Denn mit großer Reichweite geht große Verantwortung einher.“

Begrenzte Selbstkontrolle bei der Smartphonenutzung

Die durchschnittliche Smartphone-Bildschirmzeit der Jugendlichen liegt bei knapp vier Stunden täglich. Mit dem Alter nimmt sie zu, von unter drei Stunden bei den Jüngsten (12–13 Jahre) auf über viereinhalb Stunden bei den Volljährigen (18–19 Jahre). Zwei Drittel der Befragten (68 %) fällt es schwer, die eigene Bildschirmzeit zu regulieren. Besonders vor dem Zubettgehen hat das spürbare Auswirkungen: Rund 30 Prozent berichten, morgens oft müde zu sein, weil sie ihr Handy nachts zu spät aus der Hand legen. Zwar genießen zwei Drittel der Jugendlichen Offline-Zeiten ohne Smartphone und Internet, doch nur etwas mehr als ein Drittel schaltet das Gerät tatsächlich regelmäßig aus, um Zeit für sich zu haben.

WhatsApp unverzichtbar, Social Media vielseitig genutzt

WhatsApp ist die mit Abstand wichtigste App der Jugendlichen. Hauptsächlich wird der Messenger-Dienst genutzt, um über Text- und Sprachnachrichten oder über bildhafte Inhalte wie Emojis, Sticker und GIFs zu kommunizieren. Neuere Funktionen wie Kanäle und Communitys oder das integrierte KI-Tool „Meta AI“ werden bislang kaum regelmäßig verwendet. Snapchat liegt in der Beliebtheit und regelmäßigen Nutzung aktuell hinter WhatsApp und Instagram, aber noch vor TikTok. Social-Media-Plattformen dienen Jugendlichen dabei nicht nur der Kommunikation, sondern auch der Information: Ein Viertel der 12- bis 15-Jährigen und fast die Hälfte der 16- bis 19-Jährigen folgt Influencer, die sich mit aktuellen Nachrichten beschäftigen. Am meisten beschäftigen die Jugendlichen die Themen Krieg, Klimawandel und Politik – derzeit auch die politischen Entwicklungen in den USA.

Zu den TOP-7 Ergebnissen der JIM-Studie 2025

Zukunft zwischen Zuversicht und Sorgen

In die Zukunft blicken Jugendliche ambivalent: Vorfreude wecken vor allem Meilensteine in der eigenen Biografie. Dazu gehören der nächste Bildungsschritt (32 %) – etwa der Abschluss der Schule oder Ausbildung beziehungsweise der Beginn eines Studiums – sowie die persönliche Weiterentwicklung hin zu mehr Selbstständigkeit, zum Beispiel durch einen Job oder eine eigene Wohnung (25 %). Sorgen bereitet dagegen hauptsächlich die Weltlage (41 %), insbesondere aktuelle Kriegssituationen, die Angst vor neuen Konflikten und die politischen Entwicklungen im In- und Ausland.

1) Knapp vier Stunden tägliche Bildschirmzeit am Smartphone

Fast alle Jugendlichen (95 %) besitzen laut den Ergebnissen der aktuellen JIM-Studie 2025 ein eigenes Smartphone und nutzen dies auch regelmäßig. Somit stellt dieses das mit Abstand am weitesten verbreitetste Endgerät für die Nutzung des Internets bzw. onlinebasierter Anwendungen dar. Bei den meisten Geräten wird die Nutzung automatisch als Bildschirmzeit erfasst und kann direkt über das Gerät ausgelesen werden. Der Zugriff auf diese Messdaten bietet somit eine praktikable Grundlage zur Bestimmung der teilweise stark über den Tag fragmentierten Nutzungsdauer.

Über alle einbezogenen Befragten hinweg liegt die tägliche Bildschirmzeit am Smartphone bei 231 Minuten, also knapp vier Stunden. Deutliche Unterschiede zeigen sich im hierbei im Altersverlauf: Zwölf- bis 13-Jährige kommen auf 166 Minuten täglich, volljährige Jugendliche auf 278 Minuten und damit auf über viereinhalb Stunden. Jugendliche verbringen im Durchschnitt 231 Minuten pro Tag am Handy. In der Altersgruppe der 12–13-Jährigen liegt die tägliche Nutzungszeit bei 166 Minuten. Die 18–19-Jährigen verbringen durchschnittlich 278 Minuten täglich mit ihrem Handy.

2) WhatsApp bleibt wichtigste App, gefolgt von Instagram und Snapchat

In der Rangliste der wichtigsten Apps der Zwölf- bis 19-Jährigen steht WhatsApp unverändert mit großem Abstand auf Platz eins: 84 Prozent zählen den Dienst zu ihren Top drei (ohne Antwortvorgabe). Dahinter folgt Instagram, das von einem Drittel der Jugendlichen genannt wird. Snapchat (+4 PP) liegt mit 24 Prozent erstmals seit 2017 wieder auf Rang drei, knapp vor TikTok (23 %). YouTube verliert dagegen um sechs Prozentpunkte: nur noch ein Fünftel zählt das Angebot zu den wichtigsten Apps.

84 % der Jugendlichen nennen WhatsApp als besonders wichtige App. 33 % geben Instagram an, 24 % Snapchat, 23 % TikTok und 20 % YouTube. WhatsApp, die beliebteste und meistgenutzte App der Jugendlichen, bietet eine Reihe verschiedener Anwendungsmöglichkeiten - dabei zeigen sich geschlechterspezifische Nutzungspräferenzen. So steht die regelmäßige Nutzung von Sprachnachrichten bei Mädchen höher im Kurs (78 %, Jungen: 50 %) und auch die Verwendung von Emojis, Stickern und animierten Grafiken (GIFs) ist bei ihnen weiter verbreitet (84 %, Jungen: 70 %). Jungen hingegen haben bei der Nutzung von WhatsApp-Kanälen einen leichten Vorsprung (25 %, Mädchen: 23 %). Allgemein am beliebtesten und mit deutlichem Abstand am relevantesten für den Alltag sind aber Textnachrichten, die fast alle Mädchen und Jungen in der Regel mindestens täglich über WhatsApp versenden. Neuere Funktionen wie Kanäle und Communitys werden dagegen bislang nur von einem kleinen Teil regelmäßig verwendet.

3) Digital Detox: Häufig gewünscht, aber nur selten umgesetzt

Im Alltag der meisten Jugendlichen ist das Smartphone ständiger Begleiter – vom Aufstehen am Morgen bis zum Einschlafen am Abend. Wie Jugendliche diese ständige digitale Verfügbarkeit bewerten, wird in der JIM-Studie über Aussagen zum Thema „Überdruss digitaler Kommunikation“ erfasst. Die Mehrheit der Zwölf- bis 19-Jährigen stimmt der Aussage voll oder weitgehend zu, dass sie häufig mehr Zeit am Handy verbringen, als ursprünglich geplant. 67 Prozent geben an, dass sie es genießen, auch einmal offline zu sein und Zeit ohne Smartphone und Internet zu verbringen – dieser Anteil ist im Vergleich zu 2024 um acht Prozentpunkte gestiegen. Gleichzeitig zeigt sich hier eine Diskrepanz zwischen Einsicht und Verhalten: Nur 36 Prozent berichten, ihr Handy regelmäßig auszuschalten, um bewusst Zeit für sich zu haben. Auch auf den Schlaf kann die Smartphonenutzung einen erheblichen Einfluss haben. Sechs von zehn Jugendlichen schalten ihr Smartphone nachts meist aus oder in den Flugmodus, um in dieser Zeit ungestört zu sein. Dagegen berichten drei von zehn Befragten, dass sie sich morgens oft müde fühlen, weil sie in der Nacht zu lange am Handy waren. 60 % der Jugendlichen schalten ihr Handy nachts meist aus oder in den Flugmodus. 29 % geben an, morgens oft müde zu sein, weil sie nachts zu lange am Handy waren. 67 % der Jugendlichen genießen bewusst Zeit ohne Internet und Handy. 36 % schalten regelmäßig ihr Handy aus, um Zeit für sich zu haben.

4) Nachrichten-Influencer sind bei Jugendlichen etabliert

Im Rahmen der JIM-Studie konnten die Jugendlichen ohne Vorauswahl ihre drei liebsten Content Creator*innen angeben. Hier ergab sich durch eine Flut von Einzelnennungen ein recht heterogenes Bild. Zusätzlich wurden die Jugendlichen danach gefragt, ob sie auch Influencer*innen folgen, die sich - in Abgrenzung zu den oftmals sehr populären Influencer*innen aus den Bereichen Beauty, Gaming oder Comedy - häufig mit dem aktuellen Tagesgeschehen beschäftigen. Dies bejahen insgesamt 37 Prozent, etwas mehr Mädchen (39 %, Jungen: 34 %) und mit dem Alter der Jugendlichen verdoppelt sich dieser Anteil beinahe von 25 Prozent bei den Zwölf bis 15-Jährigen auf 48 Prozent bei den 16- bis 19-Jährigen. Auch folgen Jugendliche mit höherem Bildungshintergrund zu einem höheren Anteil Influencer, die über das aktuelle Tagesgeschehen berichten (40 %, Haupt-/Realschule: 30 %).

5) Google bleibt Nr. 1-Recherche-Tool, ChatGPT bereits auf Platz 2 - vor YouTube/ Websites

Zudem wurde im Rahmen der JIM-Studie 2025 erhoben, welche Recherche-Tools Jugendliche aktiv nutzen, wenn sie nach speziellen Informationen suchen oder ganz allgemein etwas wissen wollen. Von acht vorgegebenen digitalen Möglichkeiten haben Suchmaschinen wie Google nach wie vor den größten Stellenwert im Alltag Jugendlicher, mehr als zwei Drittel nutzen diese regelmäßig. Hierbei greifen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf die seit diesem Jahr verfügbare Option der automatisch erzeugten KI-generierten Zusammenfassungen zurück. Bereits auf dem zweiten Platz nach Google findet sich mit ChatGPT ein reiner KI-Dienst, mit dem man menschenähnliche Gespräche führen und damit auch gezielte Fragen stellen kann, was vier von zehn Jugendlichen regelmäßig tun. YouTube und Websites folgen mit 31 % bzw. 30 % gleichauf im Ranking der Recherche-Tools, ein Viertel der Jugendlichen setzt bei für sie relevanten Fragen auf Social Media und sucht bei TikTok und Instagram nach Antworten. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia liegt im Vergleich relativ weit abgeschlagen auf dem vorletzten Platz und ist nur noch für ein Fünftel eine regelmäßige Anlaufstelle. Nach wie vor wenig durchgesetzt haben sich Sprachassistenzsysteme, wenn es um die Suche nach Informationen geht. 68 % der Jugendlichen recherchieren täglich oder mehrmals pro Woche über Google oder andere Suchmaschinen. 39 % nutzen ChatGPT für ihre Recherchen. 31 % recherchieren über YouTube, 30 % über bestimmte Websites und 26 % über TikTok. 25 % der Jugendlichen verwenden Instagram zur Informationssuche. 20 % nutzen Wikipedia und 16 % Sprachassistenten für Recherchen.

6) ChatGPT ist der Platzhirsch unter den KI-Tools

Es zeigt sich also: Das Thema Künstliche Intelligenz ist inzwischen im Alltag von Jugendlichen angekommen. So stellt sich nicht mehr die Frage, ob Jugendliche KI einsetzen, sondern wie häufig, in welcher Form und wofür. Entsprechend wurden in der diesjährigen Studie neben ChatGPT auch die Nutzung anderer verbreiteter KI-Angebote erhoben. ChatGPT ist die mit Abstand wichtigste Anwendung unter den Zwölf- bis 19-Jährigen: 84 Prozent haben das Tool bereits verwendet – im Jahr 2024 waren es noch 57 Prozent, 2023 gaben lediglich 38 Prozent an, Chat GPT bereits ausprobiert zu haben. Inzwischen arbeitet die Hälfte der Jugendlichen mindestens mehrmals pro Woche mit ChatGPT. Mit deutlichem Abstand folgen die KI-Tools Google Gemini und Meta AI auf den Plätzen zwei und drei – jeweils rund ein Drittel greift zumindest selten darauf zurück. DeepL, Microsoft Copilot kommen auf etwa ein Fünftel. Im Jahr 2023 gaben 38 % der Jugendlichen an, ChatGPT zu nutzen. 2024 lag der Anteil bei 57 %. 2025 nutzen 84 % der Jugendlichen ChatGPT. Die Nutzung von ChatGPT ist im Vergleich zu 2023 um 46 Prozentpunkte gestiegen.

7) Lernen und Informationssuche sind Hauptgründe für KI-Nutzung

Insgesamt berichten 91 Prozent der Befragten, generell mindestens eine KI-Anwendung einzusetzen (2024: 62 %). Dahinter stehen unterschiedliche Motive – die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen jedoch zwei dominierende Einsatzfelder. Wie schon im Vorjahr nennt eine Mehrheit von 74 Prozent Hausaufgaben und Lernen als Anlass für die Nutzung von KI (2024: 65 %). Knapp dahinter folgt die Informationssuche mit 70 Prozent (2024: 43 %) – ein deutlicher Bedeutungszuwachs um 27 Prozentpunkte. Ebenfalls verbreitet ist KI, um „herauszufinden, wie etwas geht“: 54 Prozent lassen sich hierbei von einer KI helfen (+19 PP). Der Einsatz nur so zum Spaß ist das einzige Nutzungsmotiv, das gegenüber dem Vorjahr nennenswert an Relevanz verloren hat. Der Wert liegt nun bei 47 Prozent (−5 PP). Insgesamt wird KI inzwischen weniger zum Ausprobieren und Spaß haben herangezogen, sondern hat sich mehr zu einem Alltagswerkzeug entwickelt, das vor allem im schulischen Kontext an Gewicht gewinnt.

 

Zur Übersicht