Medienbranche wächst und zeigt ihre Anpassungsfähigkeit

07. August 2025
Entertainment- und Medienbranche Deutschlands ist weltweit die fünftgrößte Unterhaltungsindustrie

Im Jahr 2024 erzielte die Entertainment- und Medienbranche in Deutschland einen Umsatz von 111,6 Milliarden Euro. Sie ist damit hinter den USA, China, Japan und UK weltweit die fünftgrößte Unterhaltungsindustrie. Bis 2029 wird der Markt um durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr wachsen und ein Volumen von 126,1 Milliarden Euro erreichen. Laut dem „German Entertainment & Media Outlook 2025-2029“ (GEMO) der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland – der umfangreichsten Studie zur Medien- und Unterhaltungsbranche in Deutschland – sind wesentliche Treiber dafür digitale Segmente wie Onlinewerbung und Videostreaming.

Mit einem Gesamtumsatz von 111,6 Milliarden Euro konnte die deutsche Entertainment- und Medienbranche ihr Volumen im Jahr 2024 um 4 Prozent steigern. Damit ebben die Aufholeffekte der Pandemie weiter ab. Dennoch ist das Ergebnis vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Unsicherheiten und geopolitischer Spannungen beachtlich. Der Branche gelingt eindrucksvoll der Spagat zwischen Kontinuität und Neuaufbruch. Traditionelle Segmente wie Bücher, Zeitungen und Zeitschriften sowie Fernsehen und TV-Werbung sind zwar rückgängig, sie gehören aber nach wie vor neben Connectivity, Onlinewerbung und B2B zu den umsatzstärksten Segmenten der Branche. Gleichzeitig legen digitale Erlösquellen wie Internetvideo, Onlinewerbung sowie Mixed Reality deutlich zu.

Normalisierung nach der pandemiebedingten Ausnahmesituation

Im Jahr 2024 stieg der Gesamtumsatz der deutschen Medienbranche um 4 Prozent, lag damit aber einen Prozentpunkt unter dem Wachstum des Vorjahres. Die Aufholeffekte der Pandemie verebbten allmählich, während geopolitische Konflikte neue Herausforderungen brachten. Den größten Anteil am Gesamtumsatz der Branche machten die Vertriebserlöse aus mit 40,7 Prozent des Volumens. Die Werbeerlöse übertrafen mit einem Anteil von 29,8 Prozent erstmals die Serviceumsätze aus Connectivity (29,4 %).  Das größte Wachstum verzeichnete das Segment Internetvideo mit einem Plus von 18,0 Prozent. Auch die Segmente Außenwerbung sowie Mixed Reality legten zweistellig zu – mit Wachstumsraten von 16,7 Prozent bzw. 11,6 Prozent. Rückgänge bei den Umsätzen verzeichneten erneut die traditionellen Segmente Bücher, Zeitungen und Zeitschriften sowie Fernsehen und TV-Werbung. Beide Bereiche erzielten jedoch weiterhin Umsätze im zweistelligen Milliardenbereich und zählen damit – neben Connectivity, Onlinewerbung und B2B – zu den umsatzstärksten Segmenten der deutschen Unterhaltungs- und Medienbranche.

Bucherlöse legen zu – Zeitungen und Zeitschriften verzeichnen sinkende Umsätze

Der Gesamtmarkt für Bücher, Zeitungen und Zeitschriften sank im Jahr 2024 um 1,4 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro Umsatz. Weltweit belegt Deutschland Platz 3 hinter den USA und China. Der Buchmarkt zeigte einen leichten Anstieg von 1,0 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro. Bemerkenswert war der Zuwachs im Bereich der digitalen Bücher, deren Umsatz um 3,5 Prozent auf 503,7 Millionen Euro stieg. Besonders gefragt waren digitale Hörbücher. Der Umsatz mit Zeitungen sank hingegen von 3,7 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Der Markt für Publikumszeitschriften erlebte 2024 einen Umsatzrückgang von 3,1 Prozent und erreichte 2,4 Milliarden Euro.

Deutschland bleibt weltweit auf Platz 5, aber die Anzahl der TV-Haushalte sinkt deutlich

 Im Jahr 2024 verzeichnete der deutsche Markt für Fernsehen und TV-Werbung einen Umsatzrückgang von 1,4 Prozent. Mit einem Gesamtumsatz von 10,5 Milliarden Euro liegt er jedoch weiterhin auf dem ersten Platz in Europa und auf dem fünften Platz weltweit, hinter den USA, China, Indien und Japan. Pay-TV-Dienste sanken um 3,1 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Die Umsätze mit Fernsehwerbung stiegen um 1,6 Prozent auf 4,0 Milliarden Euro. Die Anzahl der deutschen Haushalte mit Fernsehempfang ging 2024 um 6,2 Prozent zurück – der stärkste Rückgang innerhalb der betrachteten Zehnjahresperiode. Ein Grund dafür ist der Wegfall des Nebenkostenprivilegs. So sank der Anteil von TV-Haushalten mit einem Kabelanschluss von 36,7 Prozent im Jahr 2023 auf 28,5 Prozent im Jahr 2024. Im Prognosezeitraum werden die Umsätze mit Pay-TV-Diensten voraussichtlich jährlich um durchschnittlich 0,2 Prozent zurückgehen und die TV-Werbeerlöse um durchschnittlich 1,2 Prozent.

Streaming-Abos machen den größten Umsatz – Werbebasierte Angebote wachsen rasant

Der Markt für Internetvideo wuchs 2024 um 18,0 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro und bildete damit europaweit den zweitgrößten Markt, hinter dem des Vereinigten Königreichs. Mit 73,8 Prozent und 3,6 Milliarden Euro machten Umsätze mit Abos (S-VoD) 2024 weiterhin den größten Anteil aus. Mit dem transaktionsbasierten Streamingmodell (T-VoD) konnten 490,9 Millionen Euro erreicht werden. Werbefinanziertes Video-on-Demand (A-VoD) legte 2024 mit einem Gesamtumsatz von 797,9 Millionen Euro besonders stark zu – 37,0 Prozent mehr als im Vorjahr – und wird bis 2029 jährlich durchschnittlich weiter um 18,5 Prozent wachsen.

Dynamisches Wachstum – das Geschäft mit bezahlten Suchanzeigen floriert

Der Gesamtmarkt für Onlinewerbung in Deutschland erreichte 2024 einen Umsatz von 19,4 Milliarden Euro. Davon entfielen 9,4 Milliarden Euro auf Paid Search, 5,2 Milliarden Euro auf sonstige Display-Onlinewerbung, und 3,9 Milliarden Euro auf Video-Onlinewerbung. Ein Wachstumstreiber im Bereich der Video-Onlinewerbung war die Sparte Connected TV In-Stream Video-Onlinewerbung, die um 54,1 Prozent auf 744,6 Millionen Euro zulegte. Unserer Prognose nach rechnen wir bis 2029 mit einem kontinuierlichen Umsatzwachstum für Onlinewerbung auf 27,8 Milliarden Euro bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 7,5 Prozent. Video-Onlinewerbung wird bis 2029 voraussichtlich einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro erreichen, während der Anteil der reinen Onlinewerbung am Gesamtumsatz auf 53 Prozent sinkt und der Anteil von Retail Onlinewerbung auf 25,7 Prozent wächst.

Kinomarkt erlebt Dämpfer, wird sich aber voraussichtlich wieder erholen

Die Umsätze im Kinomarkt fielen 2024 um 4,9 Prozent im Vergleich zu 2023. Der Rückgang wird hauptsächlich durch sinkende Ticketerlöse verursacht, die auf die geringen Blockbuster-Veröffentlichungen aufgrund der Streiks von Drehbuchautoren und Schauspielern in Hollywood zurückzuführen sind und die 94,9 Prozent des gesamten Umsatzes des Kinomarktes ausmachen. Die Anzahl der verkauften Tickets nahm um 7,2 Prozent ab, wohingegen der durchschnittliche Ticketpreis um 2,6 Prozent auf 9,97 Euro anstieg, was zur Stabilisierung der Einnahmen beitrug. Beim Kinomarkt ist bis 2029 voraussichtlich mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 4,7 Prozent zu rechnen – mit Umsätzen, die auf 1,2 Milliarden Euro steigen dürften. Ausschlaggebend dafür sind mehr Filmveröffentlichungen und eine erhöhte Werbebereitschaft.

Livemusik und Streaming bleiben Garanten für kontinuierliches Wachstum

Der Gesamtmarkt für Musik, Radio und Podcasts erreichte 2024 einen Umsatz von rund 6 Milliarden Euro – 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Musiksektor verzeichnete dabei Einnahmen von 5,2 Milliarden Euro, wobei jeweils etwa die Hälfte auf Livemusik und Musikaufnahmen entfiel. Die Umsätze aus Podcastwerbung stiegen im Jahr 2024 auf 55,4 Millionen Euro. Der Radiowerbemarkt erzielte 705,7 Millionen Euro. Im Bereich der Musikaufnahmen wurden 2,6 Milliarden Euro erzielt, wobei digitale Musikaufnahmen 76,6 Prozent davon ausmachten. Die Einnahmen aus Streamingdiensten beliefen sich auf 1,9 Milliarden Euro, während physische Musikaufnahmen einen Rückgang auf etwa 379,0 Millionen Euro verzeichneten.

Deutscher Videospiele- und E-Sport-Markt belegt trotz leichtem Rückgang weltweit Platz 5

Nach einem erfolgreichen Jahr 2023 mit einem Wachstum von 8,6 Prozent schrumpfte der deutsche Videospiel- und E-Sport-Markt im Jahr 2024 um 0,9 Prozent und erzielte einen Umsatz von 8,2 Milliarden Euro. Damit war Deutschland der größte Markt in Europa und der fünftgrößte weltweit hinter den USA, China, Japan und Südkorea. Im Jahr 2025 wird der deutsche Markt für Videospiele und E-Sport voraussichtlich um 5,8 Prozent zulegen. Bis 2029 wird erwartet, dass das Wachstum abflacht. Die Umsätze mit Social und Casual Gaming machten 2024 einen Anteil von 65,5 Prozent am gesamten Videospielmarkt aus. Der Verkauf von Online-/Mikrotransaktionen dominierte die Umsätze mit Konsolenspielen (53,7 Prozent) und die Umsätze des PC-Spiele-Marktes (78,9 Prozent). Im E-Sport-Markt liegt Deutschland europaweit an der Spitze, gefolgt von Großbritannien und Frankreich.

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