Künstliche Intelligenz revolutioniert die Audio-Branche

27. Oktober 2023
Audio Trends 2023: Die Netto-Digitalisierungsquote des Hörfunks liegt bei 67 Prozent

Die Studie ‚Audio Trends 2023‘ der Medienanstalten belegt erneut den starken Wandel der Audiobranche vor allem durch Digitalisierung und die Anwendung Künstlicher Intelligenz. In zahlreichen KI-Projekten hat die Audiobranche in den vergangenen Monaten ihre Innovationsbereitschaft unter Beweis gestellt. Insbesondere durch generative KI, von der Inhalteproduktion über die Ausspielung bis zur Interaktion mit Hörenden, sind ungleich stärkere Auswirkungen als durch die Digitalisierung der Verbreitungswege zu erwarten. Die Netto-Digitalisierungsquote des Hörfunks liegt damit bei 67 Prozent. Für ein Drittel ist der digitale Empfangsweg bereits der meistgenutzte Zugang zum Radioprogramm. Nur noch die Hälfte nennt UKW als bevorzugte Radioempfangsart.

„In einer sich verändernden Audiowelt müssen wir dafür sorgen, dass die Anwendung von Künstlicher Intelligenz Vielfalt stärkt und nicht aushöhlt. Die Anbieter wünschen sich zu Recht verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI, um zukunftssicher planen zu können. Uns ist es wichtig, diese Rahmenbedingungen aktiv zu gestalten,“ kommentiert Ruth Meyer, Direktorin der Landesmedienanstalt Saarland (LMS), die gemeinsam mit der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) die Audio Trends verantwortet.

Die jährlich erhobenen Audio Trends der Medienanstalten dienen der Branche und der Politik seit nunmehr 10 Jahren als zuverlässiger und unabhängiger Indikator für die Entwicklung des digitalen Hörfunkempfangs. Für die Landesmedienanstalten liefern sie wichtige Datengrundlagen für fundierte Regulierungs- und Aufsichtsentscheidungen. Eine der größten Herausforderung der nächsten Jahre ist außerdem die Förderung der Relevanz von Radio in der digitalen Welt. So zeigen die Audio Trends in diesem Jahr erneut, dass die Radionutzung im Auto über die modernen In-Car-Entertainment-Systeme eine immer wichtigere Rolle spielt. „Neben Musik und Unterhaltung geht es beim Radiohören im Auto vor allem auch um den direkten Zugang zu lokalen Nachrichten oder aktuellen Warnmeldungen. Deshalb muss Radio im Auto jederzeit und einfach auffindbar sein – auch auf den modernen Benutzeroberflächen der Fahrzeuge“, sagt Dr. Thorsten Schmiege, Koordinator des Fachausschusses Infrastruktur und Innovation der Medienanstalten und Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM).

Weitere Kernergebnisse der ‚Audio Trends 2023

  • Digitaler Hörfunk für 47 Millionen Personen: So viele Menschen in Deutschland haben Zugang zu einer digitalen Radioempfangsmöglichkeit oder nutzen Webradio. Die Netto-Digitalisierungsquote des Hörfunks liegt damit bei 67 Prozent. Ein Drittel nennt bereits einen digitalen Empfangsweg als meistgenutzten Zugang zum Radioprogramm. Nur noch die Hälfte nennt UKW als bevorzugte Radioempfangsart.
  • DAB+ im Trend: Die Mehrfachausstattung mit DAB+-Radios hat sich innerhalb von fünf Jahren verdoppelt: Mittlerweile verfügt über die Hälfte (55,4 Prozent) der DAB+-Haushalte über zwei oder mehr DAB+-Empfangsgeräte. Die Gesamtzahl der DAB+-Geräte in Deutschland ist um mehr als 4,4 Millionen gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Auch die Ausstattung mit DAB+-Autoradios steigt weiter auf nunmehr 11,5 Millionen. Das entspricht gut 26 Prozent der Autoradios in Deutschland.
  • Audio, Web & Benutzeroberflächen: 52 Prozent nutzen Webradio. Sieben von zehn greifen mindestens gelegentlich auf Audio-Angebote aus dem Internet zu.

Die Hörfunknutzung verschiebt sich in Richtung digital.

Die Netto-Digitalisierungsquote des Hörfunks liegt bei 67 Prozent. Das entspricht mehr als 47 Millionen Personen ab 14 Jahren, die in Deutschland Zugang zu einer digitalen Radioempfangsmöglichkeit haben oder Webradio nutzen. Die bevorzugte Hörfunknutzung verschiebt sich deutlich in Richtung digital. Vor zehn Jahren haben noch acht von zehn Personen Radiohören über UKW den anderen Empfangswegen vorgezogen. Aktuell ist es nur noch gut die Hälfte. Gut ein Drittel hingegen nennt bereits einen digitalen Empfangsweg als meistgenutzten Zugang zum Radioprogramm. Sofern es sich um einen Digitalhaushalt handelt, also ein Digitalradio vorhanden ist oder zumindest gelegentlich Webradio gehört wird, nutzt mehr als die Hälfte der Personen am häufigsten digitales Radio.

Die Haushaltsausstattung mit DAB+-Geräten bleibt konstant auf Wachstumskurs. Die Zahl der Digitalradiohaushalte steigt im Durchschnitt der letzten fünf Jahre um zwei Prozentpunkte pro Jahr auf knapp 33 Prozent im Jahr 2023. Das entspricht einem relativen Wachstum von 45 Prozent. Somit verfügen aktuell 13,3 Millionen Haushalte über mindestens ein DAB+-Radiogerät. Die meisten dieser Haushalte sind mehrfach ausgestattet. Mittlerweile verfügen drei von zehn (29,5 Prozent) der DAB+-Haushalte über zwei Empfangsgeräte, jedem vierten (25,8 Prozent) stehen bereits drei oder mehr DAB+-Radios zur Verfügung. Der Anteil der Haushalte mit zwei oder mehr DAB+-Empfangsmöglichkeiten hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Die Haushaltsausstattung mit DAB+-Geräten unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Mit Bayern und Sachsen haben zwei Bundesländer erstmals die 40-Prozent-Marke überschritten. Sachsen weist dabei die höchste Steigerung um gut neun Prozentpunkte aus – das entspricht einem relativen Wachstum von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch Schleswig-Holstein sowie die gemeinsam ausgewiesenen drei Süd-West-Länder Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland können deutliche Steigerungen der DAB+-Haushaltsausstattung von mehr als 25 Prozent verbuchen und liegen nun, wie auch Sachsen-Anhalt, über dem bundesweiten Durchschnitt.

Die Digitalisierung der Hörfunk-Empfangswege macht auch die regionalisierte Verbreitung von Lokalrundfunkprogrammen über DAB+ immer wichtiger. In einigen Regionen in Deutschland ist die Abbildung der lokalen UKW-Landschaft in DAB+ bereits Wirklichkeit, in anderen Regionen wird daran gearbeitet. Ein von der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen beauftragtes Gutachten zeigt: Der Umstieg lohnt sich, auch in monetärer Hinsicht. Denn die regionalisierte Verbreitung über DAB+-Regio hilft, die Hörfunk-Werbeumsätze der lokalen Anbieter in NRW auch zukünftig zu erhalten. Das wirkt positiv – auf den lokalen Informationsraum und die Anbietervielfalt gleichermaßen. Die Gesamtzahl der DAB+-Geräte in Deutschland ist um mehr als 4,4 Millionen gegenüber dem Vorjahr auf 28,3 Millionen Geräte gestiegen. Das entspricht einem relativen Wachstum von 19 Prozent. Vor allem die Zahl der Geräte zu Hause hat kräftig zugelegt – aber auch die Ausstattung mit DAB+-Autoradios steigt weiter auf nunmehr 11,5 Millionen. Das entspricht gut 26 Prozent der Autoradios in Deutschland. Digital empfangen zudem auch die drei Prozent der Autoradios mit ausschließlichem IP-Empfang. Zusammengenommen liegt die Digitalisierungsquote der Autoradios bei knapp einem Drittel. Das sind mehr als zehnmal so viele Geräte wie noch vor zehn Jahren. Fakt ist auch: wenn ein Digitalradio im Auto verbaut ist, wird dieses auch digital genutzt. Fast 80 Prozent der Personen mit Digitalradioempfang im Auto nennen DAB+.

Audio, Web & Benutzeroberfläche

Jede zweite Person in Deutschland nutzt zumindest gelegentlich Radioangebote über das Internet. Ein Viertel der Personen ab 14 Jahren verwenden dafür ihr Smartphone, etwa jeder Neunte hört Webradio über den Laptop/PC oder einen Smart Speaker. Betrachtet man die Inhalte, zeigt sich, dass die Nutzung etablierter Marken und ihrer Ableger dominiert, aber auch genuine Webradios tragen zur genutzten Vielfalt bei. Die Ergebnisse des Online-Audio-Monitors zeigen: Vier von zehn Personen hören sogenannte Simulcast-Sender, also Programmangebote, die auch über UKW oder DAB+ verbreitet werden. Knapp jeder Vierte nutzt reine Online-Sender von etablierten Radiomarken. Ein Fünftel konsumiert genuines Webradio, also Programme, die ausschließlich im Internet verfügbar sind Neben Webradio ist insbesondere die Nutzung von Musikstreaming sehr beliebt. Laut Online-Audio-Monitor nutzen sechs von zehn Personen ab 14 Jahren in Deutschland Musikstreamingdienste. Die meistgenutzten Streaminganbieter YouTube, Spotify und Amazon Music gehören auch zu den Top-Zugängen für Podcasts und Hörbücher. Unabhängig von der gewählten Plattform gibt ein Drittel der Personen an, Podcasts und/oder Radiosendungen zum Nachhören zu nutzen. Etwas weniger als ein Viertel lauscht Hörbüchern oder Hörspielen aus dem Internet. Insgesamt greifen sieben von zehn Personen zumindest gelegentlich auf Online-Audio-Angebote zu. Die meisten Personen, die regelmäßig Online-Audio-Angebote nutzen, machen dies sowohl zu Hause (95 Prozent) als auch außer Haus (87 Prozent). Außer Haus ist die Nutzung im Auto am weitesten verbreitet. Mehr als 27 Millionen Personen nutzen regelmäßig Audioinhalte aus dem Internet im Auto. Gut zwei Drittel (67 Prozent) von ihnen greifen dafür auf das Autoradio bzw. das Infotainment-System des Wagens zu. Knapp die Hälfte (48 Prozent) nutzt (auch) das mit dem Fahrzeug gekoppelte Smartphone oder Tablet. Bei moderneren Systemen werden dabei ausgewählte Apps des Mobiltelefons durch Integrationsplattformen wie z. B. Apple Car Play oder Android Auto direkt in das Infotainmentsystem des Autoherstellers eingebunden.

Audioangebote und KI

Die Audiobranche ist ständig im Wandel. Künstliche Intelligenz, insbesondere generative KI, wirkt disruptiv. Ihre Auswirkung wird ungleich stärker sein als die der Digitalisierung des Hörfunks. In den vergangenen Monaten hat die Radiobranche sich in zahlreichen KI-Projekten ausprobiert und so ihre Innovationsbereitschaft unter Beweis gestellt. Die Anwendungsbereiche und Beispiele aus der Praxis zeigen: Künstliche Intelligenz revolutioniert die Audiobranche entlang der gesamten Wertschöpfungskette: von der Inhalteproduktion und -planung, über die -ausspielung bis hin zur Interaktion mit den Hörenden. Mit bigGPT ist im August 2023 ein von einer Künstlichen Intelligenz (KI) betriebener Sender als Webradio gestartet. Von den Inhalten, über die synthetische Moderation durch „bigLayla“ und „bigBen“, bis hin zur Interaktion mit den Hörenden über einen Chatbot: der gesamte Workflow wird mit und durch KI, unter anderem die US-amerikanische Technologie RadioGPT, gestaltet.

https://www.die-medienanstalten.de/publikationen/audio-trends-2023

 

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