Die illegale Nutzung von Live-TV in Deutschland hat weiter zugenommen: 2025 verursachte sie in Deutschland einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von rund 2,4 Milliarden Euro. Im Vergleich zur letzten Erhebung 2022 entspricht das einem Anstieg um 33Prozent – trotz technischer Schutzmaßnahmen, Gerichtsverfahren und Aufklärungskampagnen. Dem Staat entgehen damit jährlich rund 542 Millionen Euro Steuern und Sozialabgaben – ein Anstieg von knapp 40 Prozent gegenüber 2022. Der direkte wirtschaftliche Schaden für die betroffenen Medienunternehmen summiert sich auf rund 1,5 Milliarden Euro, weitere Teilbeträge entfallen auf vor- und nachgelagerte Wertschöpfungsstufen. Im Jahr 2025 nutzten rund 7,7 Millionen Menschen in Deutschland illegal lineare TV-Streams. Am stärksten verbreitet ist die illegale Nutzung bei den 16- bis 33-Jährigen. Für knapp drei Viertel der Befragten ist das die bequemste Möglichkeit, lineares Fernsehen zu konsumieren. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Bereitschaft zur Nutzung legaler Angebote steigt, wenn illegale Alternativen nicht verfügbar sind. Zu diesen Ergebnissen kommt ein wissenschaftliches Gutachten von Goldmedia, das der VAUNET – Verband Privater Medien jetzt veröffentlicht.
Nutzung illegaler TV-Streams
Die Zahl der Nutzer illegaler linearer TV-Streams in Deutschland hat sich zwischen 2022 und 2025 um rund 30 Prozent erhöht. 2018 lag die Zahl noch bei 3,2 Mio., 2022 bereits bei rund 5,9 Mio. und 2025 bei etwa 7,7 Mio. Personen. Dies entspricht rund 10,4 Prozent der Onliner ab 16 Jahren. Die größte Altersgruppe bilden die 16- bis 33-Jährigen, jedoch ist in der gesamten Bevölkerung die Nutzung illegaler linearer TV-Streams festzustellen, wobei in den älteren Zielgruppen ab 54 Jahren das größte Wachstum stattfindet. Insbesondere bei Personen ab 64 Jahren hat sich die Nutzung deutlich erhöht. 57 Prozent der Nutzer illegaler linearer TV-Streams sind männlich, 43 Prozent weiblich. Damit hat sich die Geschlechterverteilung gegenüber den letzten Erhebungen deutlich in Richtung weiblicher Nutzer verschoben. Bei der Altersverteilung gibt es dabei einen deutlichen Zuwachs in der Zielgruppe 64+, die nun mehr als 20 Prozent aller Nutzer ausmacht. Entsprechend haben sich die Anteile anderer Zielgruppen verringert. Dies ist v.a. in der Zielgruppe der 44- bis 53-Jährigen der Fall, deren Anteil nur noch 11 Prozent beträgt. Auch der Anteil der 34- bis 43- sowie der 16- bis 33-Jährigen ist gesunken.
Endgeräte für illegales TV-Streaming
Im Vergleich zu den Vorgängeruntersuchungen hat sich vor allem die Nutzung über Streaminggeräte direkt am Fernseher deutlich erhöht. Dies deutet auf eine klare Präferenz für größere Bildschirme bei der Nutzung illegaler Streams hin. Die Nutzung auf mobilen Geräten wie Smartphones (54Prozent) und Tablets (38 Prozent) wächst ebenfalls, jedoch deutlich weniger stark. Der Einsatz von PCs/Laptops ist für die Nutzung weiter rückläufig. Auch werden PCs und mobile Geräte weniger häufig an den Fernseher angeschlossen. Die Nutzung von modifizierten Set-Top-Boxen (Card-Sharing) bleibt auf einem niedrigen Niveau.
Nutzungsfrequenz
Fast die Hälfte der Befragten nutzt täglich klassisches Live-TV-Programm in Echtzeit illegal über das Internet. 76 Prozent der illegalen Streamer nutzt diese Kanäle zumindest wöchentlich und 90 Prozent mindestens monatlich. Diese Werte haben sich gegenüber 2018 deutlich erhöht. Die höchste Nutzungsfrequenz ist bei den 16- bis 23-Jährigen zu beobachten, die geringste Nutzung findet in der Altersgruppe 40 bis 49 Jahre statt. Der Zugang zu illegalen TV-Streaming-Inhalten ist nach Einschätzung der Nutzenden im Vergleich zu 2022 und 2018 schwieriger geworden: Zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten geben an, sich sehr einfach oder eher einfach Zugang zu den Streams verschaffen zu können. 2022 waren es noch rund 71 Prozent und 2018 sogar 81 Prozent aller Nutzenden illegaler TV-Streams.
Nutzungsmotivation
73 Prozent der Nutzer illegaler Live-TV-Streams stimmen zu, dass es für sie die bequemste Art ist, lineares Fernsehen zu schauen. 68 Prozent geben an, legale Angebote seien ihnen zu teuer, 67 Prozent sehen die Nutzung als Gewohnheit. Im Vergleich zu 2022 sind alle Zustimmungswerte rückläufig. Vor allem Aussagen zu Unwissenheit, Registrierungsvermeidung und fehlender Zahlungsbereitschaft erhalten geringere Zustimmungswerte.
Nutzungsdauer
Rund 81 Minuten streamen Nutzer illegaler linearer TV-Streams 2025 in Deutschland pro Tag. Insgesamt nutzen Männer (88 Min.) die Angebote länger als Frauen (74 Min.), in den Altersgruppen 50-59 Jahre und 60+ Jahre liegt die durchschnittliche Nutzungszeit bei Frauen jedoch höher. Die höchste Nutzungsdauer haben Männer im Alter von 30-39 Jahren: Sie nutzen illegale Angebote im Schnitt 94 Minuten pro Tag.
Die Wahrscheinlichkeiten, dass die Befragten legale Angebote nutzen würden, wenn ihnen die illegalen Angebote nicht mehr zur Verfügung stünden, hat sich für fast alle Substitutionsangebote im Vergleich zu 2022 erhöht. Zu den wahrscheinlichsten Szenarien zählen die Buchung legaler VoD- sowie Pay-TV-Abos und die Nutzung legaler linearer TV-Angebote bzw. von Mediatheken der privaten Free-TV-Sender.
Zahlungsbereitschaft
Die grundsätzliche Zahlungsbereitschaft für adäquate legale Angebote ist weiter angestiegen: 53 Prozent der befragten illegal Nutzer würden beim Wegfall der illegalen Zugänge für ein vergleichbares legales Angebot zahlen. Im Durchschnitt würden die Befragten monatlich rund 29 Euro für legales TV-Streaming ausgegeben, 2022 lag dieser Durchschnittswert noch bei rund 26 Euro.
Wirtschaftlicher Schaden
In Summe entsteht durch illegale lineare TV-Streams ein direkter wirtschaftlicher Schaden i. H. v. rund 1,5 Mrd. Euro. Umsatzeinbußen durch TV-Piraterie entstehen vor allem in der Programmerstellung (rund 814 Mio. Euro). Dem Staat entgehen direkt rund 339 Mio. Euro an Steuern und Sozialabgaben. Inklusive der Auswirkungen auf vor- und nachgelagerte Märkte entsteht durch TV-Piraterie jährlich ein Schaden von rund 2,4 Mrd. Euro in Deutschland. Die Nutzung illegaler linearer TV-Streams verringert die Nachfrage auf vor-/nachgelagerten Märkten, z. B. Produktionsindustrie, Gastronomie (Sports-Bar). Der umsatzbezogene Gesamtschaden beträgt rund das 1,6-Fache des direkten Schadens in der Bewegtbildindustrie. Durch diese indirekten Effekte entsteht zusätzlich zu den direkten negativen Effekten im Bewegtbildmarkt i. H. v. 1,5 Mrd. Euro ein wirtschaftlicher Schaden von mehr als 900 Mio. Euro. Fazit: Rund 7,7 Mio. Nutzende von illegalen linearen TV-Streams verursachen einen direkten wirtschaftlichen Schaden im deutschen Bewegtbildmarkt von rd. 1,5 Mrd. Euro sowie einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von rund 2,4 Mrd. Euro pro Jahr. Dem Staat entstehen damit Verluste bei Steuern und Sozialabgaben von rund 542 Mio. Euro.
Die Analyse fokussierte sich auf illegal angebotene, lineare Streams klassischer privater Fernsehangebote in Echtzeit (Free und Pay) in Deutschland, z. B. RTL HD oder Sky, die von nicht offiziellen Anbietern/Quellen über das Internet verbreitet werden. Die Inhalte können browserbasiert auf Seiten wie livestreamde.com über ein Streaming-Gerät am Fernseher, z. B. einen modifizierten Fire-TV Stick, Chromecast, Raspberry Pi oder Apple TV, und/oder mit einer passenden App oder Software (z. B. Vavoo*, Rokkr* oder Watched) konsumiert werden. Auch Live-Übertragungen einzelner Sportereignisse im Internet (z. B. Fußball-Bundesliga, Champions League) abseits offizieller Quellen sind Kern der Analyse. Im Rahmen der vorliegenden Analyse wurden alle technischen Formen von illegalem linearen TV-Streaming berücksichtigt. Damit wurde die Nutzung über (passives) TV- Streaming, Peer-to-Peer-TV, Card-Sharing sowie ausländischer Fernseh-Streams über eine VPN-Verbindung berücksichtigt. Dabei flossen grundsätzlich alle relevanten Zugriffsoptionen bzw. Ausgabegeräte in die Untersuchung ein.
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